Fazit:
Reportagen und Analysen, die den derzeitigen weltgeschichtlichen
Umbruch beschreiben und erklären. Ironisch, voller
Anteilnahme und Engagement. |
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Die 90er Jahre. Ein dramatisches Jahrzehnt in Europa. Zu Beginn
der Zusammenbruch des Imperiums im Osten, eine "samtene Revolution"
und das triumphale "Wir sind das Volk". Alles schien möglich.
Jedermann begrüßte jubelnd ein neues großartiges
Europa. Aber niemand wußte, wie es aussehen würde.
Heute wissen wir es. Fast ganz Westeuropa hat sich auf ein unbekanntes,
gewagtes Spiel, die Währungsunion, eingelassen. Deutschland,
friedlich vereint, ist wieder das stärkste Land in Europa.
Die Mitteleuropäer, die Polen, die Tschechen, die Ungarn,
haben den schwierigen Übergang vom Kommunismus zum Kapitalismus
erfolgreich bewältigt, sind der Nato beigetreten und verhandeln
über einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft.
Im Osten und Südosten aber, in den Ländern der ehemaligen
Sowjetunion und im ehemaligen Jugoslawien, ist unser Kontinent
in einen Sumpf von Armut, Korruption, Kriminalität und
in einen unvorstellbar grausamen Krieg gestürzt.
Schwer zu durchschauende Machtkämpfe, tiefe Gräben
zwischen Gewinnern und Verlierern, Wechselbäder zwischen
Reformen und Zerrüttung, Zerreißproben zwischen Demokraten
und Reaktionären, zwischen einer sich bildenden Zivilgesellschaft
und der Sehnsucht nach den Pseudosicherheiten des Totalitarismus:
dem widersprüchlichen Jahrzehnt in Europa ist nur beizukommen
mit den Fähigkeiten, denen T. Garton Ash sein internationales
Ansehen als Zeithistoriker und als politischer Schriftsteller
verdankt.
Er beobachtet mit Neugier und Sachverstand, spricht mit politischen
Führern und normalen Bürgern, er fragt nach, er schildert
den Alltag ebenso aufschlußreich, wie er langfristigen
Strukturprozessen nachgeht. Garton Ash ist der Geschichte auf
den Fersen.
Er wartet nicht darauf, daß die Archive geöffnet
werden. Mit der ihm eigenen Energie hat er dieses Jahrzehnt
begleitet, scharfsinnig, ironisch und immer voller Anteilnahme
und Engagement.
Vom unabhängigen Litauen, dem vereinigten Deutschland bis
zum Kriegschaos im Kosovo, vom Selbstverständnis der westeuropäischen
Demokratien bis zu den Gärungsprozessen in Osteuropa, vom
Umgang Westeuropas mit seinen Nachbarn im Osten bis zum Lebensgefühl
der postkommunistischen Gesellschaften:
Garton Ashs Reportagen und Analysen sind anschauliche, hautnahe
Zeitgeschichtsschreibung, die einen weltgeschichtlichen Umbruch
beschreibt und erklärt.
Timothy Garton Ash, geboren 1955, forscht Zeitgeschichte
am St. Antony´s College in Oxford. Er schreibt regelmäßig
für The New York Review of Books, The Independant
und viele europäische Zeitschriften.
(Copyright © 1999-2001 Carl Hanser Verlag)
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