Fazit:
Geschichte muss sein! |
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Ein Journalist schreibt an seiner eigenen Geschichte - weiß
es aber anfangs nicht. Ziemlich lustlos macht er sich an die
Recherche und findet im Internet einen Beginn der Story, die
immer spannender zu werden scheint.
Auslöser dafür ist die Historie der 1945 gesunkenen Wilhelm
Gustloff, während deren Untergang er zeitgleich mit eigentlich
typischen Babyschreien eines Neugeborenen auf die Welt kam.
Grass hat diese Urlaute besonders geschickt verknüpft mit den
wohl verborgenen Todesschreien der ums Überleben kämpfenden
Passagiere.
Mir scheint, er wollte nicht diese titanic-ähnlichen Horrorszenarien
beschreiben - darüber gibt es genug Bücher. Und wenn ich ehrlich
bin, hat Grass es wieder einmal geschafft, mir ein Rückenkräuseln
zu bescheren. Man erinnere sich an die glaszerfetzenden Schreie
aus der Blechtrommel - typisch Oskar-Manier, diese unbeschreiblichen
Momente, die wohl nur der Literatur-Nobelpreisträger Grass so
emotional umschreiben kann.
Ja, ein Schrei, den man nicht so schnell aus dem Ohr bekommt
und welcher eben gerade die vielen Nullen aus den Statistiken,
in Aussage des Todes, verkörpern soll.
Schade, dass unser Journalist lieber ein anderes Baby gewesen
wäre, nämlich das einzig überlebend geborgene aus dem letzten
Rettungsboot der "Gustloff". Das Kind wurde später in der Zone
als Held der Arbeit gefeiert, das von Sowjethelden gerettet
wurde.
Der fließende Szenenwechsel mit Brückenschlägen zwischen russischen
Torpedo-U-Boot, der "Gustloff", herbeieilenden Schiffen, den
Gedanken des kleinen Pokriefke und seiner gebärenden Mutter,
die den letzten Lebensschimmer der "Gustloff", das kurze Aufblitzen
der Lichttechnik vor dem Untergang in der Danziger Bucht, nicht
mitbekam. Dies lässt wieder Assoziationen der Kluft zwischen
Leben und Tod, vor allem in bezug zur Flucht der Ostpreußen
und den verwundeten deutschen Frontsoldaten zu. (Robert Assmann
für lesewelt.de)
Günter
Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte
nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft
eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in
Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband
mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman "Die
Blechtrommel". 1999 wurde ihm der Nobelpreis für
Literatur verliehen. Grass lebt in der Nähe von Lübeck.
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© 2004 lesewelt.de)
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