Fazit:
Geoff Rymans innovatives literarisches Spiel avancierte
in Großbritannien zu einem Kultbuch, das mit Phantasie
und sehr viel Witz triumphiert. |
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252 Passagiere und ein Fahrer in einem vollbesetzten Zug der
Londoner U-Bahn sind das Personal dieses Romans. Ryman beschreibt
mit jeweils exakt 253 Worten die äußere Erscheinung jedes Fahrgasts
und erzählt, was derjenige gerade tut oder denkt und gibt private
und berufliche Informationen.
Z.B. SIE, Zweitfrau eines kuwaitischen Geschäftsmanns, den sie
bei einer Star-Trek-Party kennengelernt hat, mit ihrem miauenden
Hund Muffin, und ER, pensionierter Geheimdienstbeamter, der
sich heute auf einem Trip in die Vergangenheit fern der Ehefrau
in einem Schwulentreff vergnügen will.
BEIDE sitzen am 11. Januar 1995 um halb neun Uhr morgens im
selben Zug der Londoner U-Bahn und werden wenige Minuten später
mit Vollgas in die Betonwand nach der Endstation Elephant &
Castle rauschen - der Fahrer ist eingeschlafen.
Und was verbindet die folgenden beiden Passagiere? SIE, die
von ihrem Chef heftig umworbene Bürodame in gewissem Alter,
und ER, der widerliche Typ mit Ziegenbart, der sich für die
junge kreative Kraft der Firma hält, sind ein, zwei Stationen
früher ausgestiegen. Für sie gibt es ein Leben nach 8 Uhr 42.
Während man selbst bei der morgendlichen Fahrt zur Arbeit in
seiner voyeuristischen Neugierde, worüber das Gegenüber wohl
soeben nachdenkt, unbefriedigt zurückbleibt - in "253" begegnet
man seelischen Abgründen und Untiefen, die man hinter einer
unscheinbaren Fassade gar nicht vermutet hätte.
253 Kurzromane über siebeneinhalb Minuten im Leben einer
Metropole verdichten sich so zu einem weitverzweigten Großstadtroman.
Zahlreiche Personen haben gemeinsame Sehnsüchte, Hobbys, lieben
oder hassen sich, wissen viel oder gar nichts voneinander und
sind doch alle schicksalhaft miteinander verbunden.
Ganz nebenbei bekommt der Leser in den »informativen und nützlichen
253-Fußnoten« absurde, aber auch völlig korrekte touristische
Details über die Stadt an der Oberfläche oder über Merkwürdigkeiten
in der Biographie der Porträtierten geliefert.
Die englische Originalfassung ist im Internet unter http://www.ryman-novel.com
zu finden.
Übrigens: Der Autor selbst hat sich als Fahrgast 96 verewigt,
und sich jedoch rechtzeitig, wenn auch unter etwas peinlichen
Umständen, aus dem Zug steigen lassen.
Geoff Ryman ist Kanadier und lebt jetzt in London und
Oxfordshire. Er ist Abteilungsleiter für Neue Medien beim
Central Office of Information. Weitere literarisch ausgezeichnete
Romane, wie "The Warrior who carried Life", "The
Unconquered Country", "The
Child Garden" und "Was",
sowie zwei Theaterstücke und einen Band mit Erzählungen
hat er veröffentlicht.
(Copyright © 1999 -
2002 DTV Verlag)
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