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Tod eines Kritikers
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Martin Walser

Tod eines Kritikers

(Gebunden, Suhrkamp, 220 Seiten, Juli 2002)

Preis: 19,90 EUR
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Fazit:

"Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen." Roman = Fiction = erdacht und erfunden!

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Link zum Verlag:

Suhrkamp


"Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen." So oder so ähnlich leitet Walser seinen Skandalroman ein. Wo er Recht hat, hat er Recht! Schließlich ist das Buch erfunden, Fiktion, unpersönlich - und trotzdem provokant. Aber nur für den, der sich provozieren lässt.
Man kann sich eben auch stur stellen oder die Tatsache des Holocaust zum herumpalavern missbrauchen.

Für den in der Branche involvierten Leser oder Liebhaber des Literarischen Quartetts liegt allerdings klar auf der Hand, dass Walser den Reich-Ranicki meint. Das ist historisch gesehen auch kein verwundernswerter Rückschluss.

Am 11. Oktober 1998 erhielt Martin Walser in der Fankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Vor der versammelten deutschen Politikerelite hielt er eine Rede, die wochenlang diskutiert werden sollte. So sagte er unter anderem über den Umgang in der deutschen Öffentlichkeit mit der NS-Vergangenheit: "Kein ernst zu nehmender Mensch leugnet Auschwitz; ...wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, dass sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt." Die Erinnerung an Auschwitz eigne sich nicht als Einschüchterungsmittel oder Moralkeule. Eine Realisierung des Holocaust-Mahnmals in Berlin wäre für ihn die "Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Albtraum".

Der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, warf Walser daraufhin geistige Brandstiftung vor und sagte, dass Leute wie der Ex-Republikaner-Chef Franz Schönhuber es auch nicht anders formulieren.
Nach weiteren öffentlichen Auseinandersetzungen kam es im Dezember zur Aussprache. Bubis nahm den Begriff "geistiger Brandstifter" zurück. Er und Walser waren sich einig, dass eine angemessene Sprache für den Umgang mit der deutschen Vergangenheit noch nicht gefunden sei.

Warum hat es eigentlich einen Literaturskandal gegeben? Worüber wurde überhaupt geredet?

Das Buch an sich kommt im feinsten roten Leinen ganz ohne Klappentexte aus, man lässt also den Leser jegliche Meinungsbildung selbst erfahren, ganz ohne Vorprägung oder Einflussnahme. Allerdings waren schon viele Leser in ihrer Einstellung beeinflusst worden, da der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, den Vorabdruck des Walser-Romans ablehnte. Unter dem Vorwurf, das Werk enthalte antisemitische Tendenzen, sei ein Dokument des Hasses und eine Mordfantasie, erlaubte sich die FAZ das unveröffentlichte Buch zu kritisieren. Niemand konnte es wirklich nachlesen oder kannte den Text. Das ist wahrlich nicht die feine Art der literatur-kritischen Pressearbeit.

Zudem war die Antisemitismus-Debatte um Jürgen Möllemann gerade aktuell. Falscher Zeitpunkt, großer Effekt - nicht nur für den Wahlkampf der FDP positiv, ist "Tod eines Kritikers" teils schon Wochen vor Veröffentlichung bis in die goldenen Ränge der Bestsellerlisten aufgestiegen und vorbestellt worden.

Wer Kunst kritisiert, spricht oft mehr über sich selbst, als es scheint. Das gilt aber auch für Zeitungsverlage, die Rezensionen über Bücher veröffentlichen. Wenn es dann dazu führt, dass unveröffentlichte Literatur in die Verbotszone gerückt wird, verlässt man den sittenhaften Sektor. Das ist eine Samisdat-Literatur, wie man sie aus den osteuropäischen Diktaturen zur Zeit des Eisernen Vorhangs kennt. Zumindest ist es für eine freie und vernetzte Gesellschaft ein unwürdiger Vorgang, ungedruckte Literatur für politisch vogelfrei zu erklären.

Zum Inhalt:

Wenn der Fernsehkritiker der Sendung ´Sprechstunde`, Ehrl-König, immer "doitsche Gegenwartsliteratür lesen müsse, beneide er die Loite von der Müllabfuhr" ... "und weg ist das Zoig, der Kübel wieder leicht und leer, aber wie lange habe er, der Keritiker, zu würgen und zu gacksen, bis er so einen doitschen Gegenwartsroman dort habe, wo er hingehört: in den Müll. Daß Pelatz ist für das Bessere. Das Gute." An diesen, dem Walser-Roman entnommenen Zitaten sieht man, dass der Autor wirklich Reich-Ranicki mit seiner spezifisch-betonten Aussprache meint und seine persönliche Abneigung, will sagen "saudeutsch", nachäfft.

Das Buch des Schriftstellers Hans Lach, "Mädchen ohne Zehennägel", wird in Ehrl-Königs Sendung unsanft behandelt, was wohl der Auslöser für das plötzliche Verschwinden des Kritikers ist.

Desweiteren treten Charaktere, wie Matthias Landolf, Prof. Silbenfuchs oder Pilgrim, im Roman Freund des Schriftstellers Hans Lach, im realen Leben verglichen mit Walsers Verleger, Siegfried Unseld. Eine sehr eigenartige Namengebung und viele situationsbeschreibende Textpassagen begleiten den Leser, ebenso wie ein Nietzsche-Zitat oder die erklärenswerte E-O-Kultur, die wiederum "saudeutsche" Ejakulation-und-Orgasmus-Kultur, die epidemisch Schriftsteller und zur Folge dessen Kritiker züchte.

Verstrickung - Geständnis - Verklärung, das sagt die inhaltliche Entwicklung des Buches aus, das an diejenigen gewidmet ist, die Walsers Kollegen sind. Literarische Mordphantasien treffen den Kritiker, nicht den Juden.

In Bodo Kirchhoffs "Schundroman", das zeitgleich erschienen ist, stirbt der Kritiker tatsächlich. Auch hier würde der Leser in der Romangestalt Louis Freytag Reich-Ranicki erkennen. Der Mord ist allerdings ein Versehen, mit dem Ellenbogen auf die Nase, dazwischen eine Zeitung mit einem Bild des Kritikers. Verdächtigt werden daraufhin zwei Schriftsteller. Es heißt, einer schreibe an einem Manuskript "Tod eines Kritikers". Auch hier ist alles nur FIKTIV - vielleicht sogar ein wenig sarkastisch gegenüber der skandalösen Entwicklungen bezüglich des Walser-Romans.
(Robert Assmann)

(Copyright © 2004 lesewelt.de)


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