Fazit:
Das Buch der Bildung sagt, was wesentlich ist und was
marginal. |
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Das Buch ist natürlich eine Frechheit. Das war nicht anders
zu erwarten bei einem Autor, der bundesrepublikanische Bildungszustände
mit seinem Erfolgsroman Der Campus dem Gelächter preisgegeben
hat.
Das Buch ist natürlich nicht die Frechheit, als die es daherkommt.
Das ist heute nicht mehr zu erwarten, wo demonstrative Unbildung
als ausgesprochen telegen gilt ("Hier wird Sie geholfen!").
Bildung, lautet das Credo derer, die dazugehören, kann man ja
nicht "lernen", man muß sie erwerben. Mühsam. Ein Leben lang:
Klavier mit vier, humoristisches Gumminasium mit Griechisch
und Latein, Tanzstunde, Auslandsstudium.
Am Ende sagt man dann Sätze, die alle klingen wie Schwanitz
auf Seite 398 vorführt:"Wie Sie wissen, ist der Strukturalismus
nur ein verkappter Neukantianismus".
Aber wichtig ist, wie man auf so einen Partysatz zu reagieren
hat, um als gebildeter Mensch zu gelten. Zum Beispiel kann man
guten Gewissens "ein Geräusch verursachen wie eine Kuh, die
zu muhen anhebt, aber es sich dann anders überlegt".
Landläufige Bildung in Europa ist ja keineswegs allumfassend.
Die Zahl der Themen und Gegenstände, über die es Bescheid zu
wissen gilt, ist überschaubar. Ihnen widmet Schwanitz die erste
Hälfte des Bandes, knapp 400 Seiten: Literatur, Kunst, Musik,
Philosophie, Ideologien pointiert, witzig und äußerst erhellend
dahingeplaudert.
Der eigentliche Kern aber ist der zweite Teil, der sich damit
beschäftigt, das im ersten Teil erworbene Wissen strategisch
richtig und eben "gebildet" anzuwenden.
Schwanitz dürfte viel diskutiert werden (kaufen, lesen und -
gebildet - mitreden!), aber der Band reflektiert ungeachtet
der Ironie durchaus ein wichtiges Thema: Was ist Bildung?
Hier ist der immer lauter werdende Ruf nach einem Bildungskanon.
Damit beseitigt Dietrich Schwanitz die Hindernisse, die vielen
den Zugang zu unserer Kultur versperren.
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